Der Verband
Der DVÜD stellt sich vorWas unterscheidet den DVÜD von anderen Berufsverbänden?
Wir verstehen uns als Vereinigung einer neuen Generation von Übersetzern und Dolmetschern. Wir wollen aus den Erfahrungen der letzten Jahre lernen und sind damit hoffentlich in der Lage, neue Lösungsansätze zu verfolgen und neue Wege einzuschlagen. Dabei setzen wir auf eine gemischte Altersstruktur, die den „jugendlichen Elan“ mit den Erfahrungen der etablierten Sprachdienstleister kombiniert.
Unsere Aufnahmekriterien unterscheiden sich von den Kriteren anderer Verbände; nicht, weil wir keinen Wert darauf legen, dass unsere Mitglieder qualifizierte Fachkräfte sind, sondern weil wir uns unter anderem auf die Fahne geschrieben haben, junge Berufseinsteiger und Quereinsteiger auf dem Weg zum Profi zu begleiten und zu unterstützen. Wenn es seitens der Politik nicht möglich ist – aus welchen Gründen auch immer – etwas für den Berufsstand zu tun, dann kann und muss diese Hilfe aus den eigenen Reihen kommen. Wenn wir den einzelnen stärken, dann unterstützen wir damit auch die Masse.
Warum noch ein Berufsverband? Warum nicht die Energie in bestehende, etablierte Verbände investieren?
Dafür gibt es viele Gründe. Der offensichtlichste ist: Wir fühlten uns persönlich von den bestehenden Verbänden nicht 100-prozentig angesprochen. Hätten wir versucht, in einem bestehenden Verband unser Konzept einzubringen, hätten wir entweder eine Spaltung verursacht oder hätten uns anpassen und ein Großteil unserer Ideen und Ideale auf der Strecke lassen müssen. Was nicht bedeutet, dass wir die Arbeit der anderen Berufsverbände nicht schätzen. Das Gegenteil ist der Fall. Gerade die etablierten Verbände haben in der Vergangenheit wichtige Arbeit geleistet und werden dies sicher auch in Zukunft tun. Da wir nun einen eigenen Verband haben, können wir mit den bestehenden Verbänden kooperieren, ohne dabei unsere Überzeugungen aufgeben zu müssen.
Unsere Ziele
Bewusstsein für die Berufsstände in Industrie und Wirtschaft
In der schnelllebigen Zeit, in der wir leben, in der alles mal eben fix mit tollen Hilfsmitteln erledigt werden kann, vergessen viele Auftraggeber aus der Wirtschaft, dass sich der Prozess des Übersetzens nicht analog der Wirtschaftsentwicklung beschleunigt. Zumindest nicht, wenn Qualität gefordert ist. Andererseits fehlt manchen Übersetzern auch das Gespür dafür, dass dies nun mal die Welt ist, in der Auftraggeber zurechtkommen müssen. Auch sie müssen Zeitdruck aushalten, auch sie werden an ihrer Reaktionsfähigkeit und Einhaltung von Abgabeterminen gemessen. Zum Wohle der Qualität gilt es also, bestimmte Prozesse zu entschleunigen, ohne dabei die eigene Wettbewerbsfähigkeit oder die des Auftraggebers auszubremsen. Auch in puncto Übersetzen und Dolmetschen gilt: Made in Germany hat klare Vorteile. Nicht nur haben wir in Deutschland sehr gute Übersetzer, die es sicherlich überall auf der Welt gibt; nein, wir sind auch an eben diesem Standort. Wir verstehen den deutschen Markt, wir sprechen die gleiche Sprache, wir sind in derselben Zeitzone, die Wege sind kurz und unbürokratisch.
Verständnis für die Leistungen und die Probleme der Berufsstände vertiefen
Vielen „Außenseitern“ ist oft nicht klar, wie hoch der Aufwand für eine qualitativ gute Übersetzung oder die Vorbereitung auf einen Dolmetscheinsatz sein kann; oder mit welchen Problemen sich Übersetzer und Dolmetscher tagtäglich konfrontiert sehen; wie wichtig ein guter Kontakt zum Auftraggeber ist, damit dieser genau die Leistung bekommt, die er wünscht. Ein Übersetzer ist kein Google-Übersetzer und ein Dolmetscher ist kein sprechendes elektronisches Wörterbuch. Das wollen wir gemeinsam in die Welt hinaustragen. Es geht nicht darum, auf hohem Niveau zu jammern, sondern darum, Transparenz zu schaffen.
Am Markt mehr Transparenz schaffen – für Auftraggeber und Auftragnehmer
Transparenz ist wichtig, um Zusammenhänge zu verstehen: Wie entsteht ein Quelltext? Wie entsteht eine Übersetzung? Was läuft ab in der Kabine, während ein Dolmetscher seinen Auftrag erfüllt? Was können Auftraggeber tun, um übersetzungsgerechte Texte zu liefern? Welche Mitwirkungspflichten hat ein Auftraggeber, wenn es nach den Wünschen des Auftragnehmers geht? Was passiert mit gefertigten Übersetzungen, welchen Einfluss können sie auf den Erfolg oder Misserfolg des Auftragnehmers haben? Diese und viele andere Fragen dienen der Transparenz – für bessere Leistungen, bessere Ergebnisse und besseren Kontakt.
Ein Netzwerk bilden, um als Anlaufstelle für beide Seiten präsent zu sein
In der Gemeinschaft ist man stark – und das ganz ohne Gewalt. Das zeigte schon der Fall der Berliner Mauer. Je mehr Mitglieder sich zusammentun, desto mehr können wir gemeinsam bewegen. Die Arbeit in der Übersetzer-Lounge auf XING hat uns gezeigt, dass, wenn man eine Hand reicht, in welcher Form auch immer, dabei nur positive Synergien entstehen können. Sei es um Spitzen in der Auftragslage bewältigen zu können, oder einfach nur, um unter Gleichgesinnten zu sein.
Wir wollen auch für die andere Seite da sein. Damit aus der Feilscherei am Markt ein Miteinander wird und beide Seiten nur gewinnen können. Aber es gilt auch die Einkaufsabteilungen bzw. Verantwortlichen seitens der Auftraggeber darin zu unterstützen, den passenden Dienstleister zu finden, bei Problemen zu beraten und Fragen zu klären.
Unterdurchschnittlichen Preisen entgegenwirken
„Preisdumping“ ist kein schönes Wort. Trotzdem beschreibt es ziemlich treffend die Situation, der sich viele der in Deutschland ansässigen Sprachdienstleister stellen müssen. Das hat einerseits damit zu tun, dass immer öfter Auftraggeber diese Leistungen ins Ausland vergeben, zum anderen aber auch damit, dass vielen Sprachdienstleister offenbar das nötige kaufmännische Wissen fehlt und sie falsch kalkulieren. Damit unterbieten sie, ob wissentlich oder nicht, die nötigen Preise, die ein in Deutschland lebender Dienstleister verlangen muss, um nachhaltig am Markt zu arbeiten.
Die meisten Übersetzer und Dolmetscher arbeiten in ihrem Beruf, weil Sprachen ihre Leidenschaft sind. Trotzdem schaffen einige es nicht, davon auch leben zu können. Oder sie sind gezwungen, zwölf und mehr Stunden am Tag zu „ackern“. Bei gerechter Bezahlung ihrer Leistungen gewinnen sie nicht nur an Lebensqualität, sondern sie könnten noch bessere Qualität liefern – und das über viele Jahre hinweg.
Unsere Botschaft an die Wirtschaft sollte klar und deutlich sein: Wer sein Produkt oder seine Dienstleistung nachhaltig und von hoher Güte an den Markt bringen will, dem muss klar sein, dass jeder Beitrag zum Produkt oder der Dienstleistung von mindestens derselben Qualität sein muss. Qualität muss nicht teuer sein – aber der Preis dafür sollte fair und ökonomisch sein.