Berufsbild des Sprachmittlers

Informationen zum Übersetzen, Dolmetschen, Sprachkompetenz und Fachqualifikationen

Kurz und knapp – Übersetzen vs. Dolmetschen

Übersetzer schreiben, Dolmetscher sprechen.

Dolmetschen ist also nicht dasselbe wie Übersetzen, auch wenn man im Alltag gern beide Tätigkeiten als „Übersetzen“ bezeichnet und es auch Sprachen gibt, in denen es nur einen Begriff für beides gibt. Die Grenzen sind zudem meistens fließend: Manche Dolmetscher:innen übersetzen auch, manche ausgebildeten Übersetzer:innen können auch gut dolmetschen.

Kurz und knapp – Sprachkompetenz

Sprachkenntnisse werden nach dem Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmen (GER) eingestuft. Das Niveau reicht von A1 (Grundverständigung) bis zu C2 (fehlerfreie Verständigung auf professionellem Niveau mit Fachsprache). Für Ihren Auftrag sollten Sie daher jemanden mit der Kenntnisstufe C2 auswählen.

 

Was macht ein Übersetzer?

Die Arbeit des Übersetzers passiert in erster Linie am Schreibtisch. Hier stehen ihm sämtliche Hilfsmittel zur Verfügung, die er für seine Arbeit benötigt. Der Übersetzer oder die Übersetzerin nutzt spezielle Software, diverse Nachschlagewerke wie (digitale) Wörterbücher, Lexika und Fachliteratur sowie das Internet, um den Ausgangstext exakt zu verstehen und die richtige Sprachebene in der Zielsprache zu wählen.

Wenn etwas unklar ist, stimmt man sich mit den Auftraggebern ab. Je nach Zeitkapazität und Budget wird der Zieltext in der Regel mehrfach überarbeitet. Innerhalb eines Auftrags übersetzt der Übersetzer nur in einer Richtung, d. h. von einer Sprache (Ausgangssprache) in die andere Sprache (Zielsprache). Übersetzer lassen sich grob in zwei Gruppen einteilen:

Fachübersetzer

In der Regel spezialisieren sich Übersetzer auf bestimmte Fachrichtungen. Das können zum Beispiel technische, wirtschaftliche oder rechtliche Fachgebiete sein. Daneben gibt es noch viele andere Fachbereiche. Man kann davon ausgehen, wenn es einen Text zu einem bestimmten Thema gibt, dann gibt es auch Personen, die solche Texte übersetzen.  Je nach Vorbildung und Schwerpunkt bezeichnen sich Fachübersetzer zum Beispiel als Übersetzerin für Technik , Urkundenübersetzer, Fachübersetzerin für Medizin oder Übersetzer für Umwelttechnik.

Literaturübersetzer

Wie der Name schon sagt, beschäftigen sich Literaturübersetzer mit der Übersetzung von Literatur, wobei diese nach Belletristik und Fachliteratur, zu der u. a. Sachbücher zählen, unterteilt wird. Gerade bei der Fachliteratur kann die Grenze zwischen Literatur- und Fachübersetzern auch verschwimmen.

Was macht ein Dolmetscher?

Der Dolmetscher sitzt bei der Arbeit zwar auch oft am eigenen Schreibtisch, jedoch ist er meistens auf Dienstreisen unterwegs. Um professionell zu dolmetschen, muss sich ein Dolmetscher auf jeden Auftrag intensiv vorbereiten. Dafür braucht er Unterstützung seitens des Auftraggebers: Je früher die Veranstaltungsunterlagen (Präsentationen, Infomaterial, Grafiken etc.) beim Dolmetscher auf dem Schreibtisch landen, desto besser kann er sich auf den Auftrag vorbereiten. Das, was der Dolmetscher während der Arbeit produziert, ist in der Regel nicht mehr korrigierbar, da hierfür oft keine Zeit ist. Beim Dolmetschen lassen sich folgende Arten unterscheiden:

Konsekutivdolmetschen

„Konsekutiv“ bedeutet „nacheinander“, d. h. beim Konsekutivdolmetschen spricht jemand in der einen Sprache, und diese Aussagen werden in die andere Sprache verdolmetscht, wenn der Sprecher eine Pause macht. Üblicherweise macht sich ein Konsekutivdolmetscher Notizen zu dem, was der Sprecher sagt.

Simultandolmetschen

„Simultan“ bedeutet „gleichzeitig“, d. h. beim Simultandolmetschen spricht jemand in der einen Sprache, und der Dolmetscher dolmetscht diesen Text in die andere Sprache, noch während der Sprecher weiter spricht. Hierbei bleibt in der Regel keine Zeit für Notizen, da sich der Dolmetscher gleichzeitig auf Hören und Sprechen konzentrieren muss. Für das Simultandolmetschen sind entweder eine geeignete Technik (Mikrofone für Sprecher und Dolmetscher, Kopfhörer für Dolmetscher und Zuhörer) sowie geeignete Räumlichkeiten (idealerweise schalldichte Kabine für den Dolmetscher) erforderlich. Alternativ kommt das sogenannte Flüsterdolmetschen zum Einsatz. Dabei sitzt der Dolmetscher entweder direkt neben oder leicht versetzt hinter dem Zuhörer und flüstert diesem direkt ins Ohr, was der Sprecher sagt. Simultandolmetscher sollten in Teams von mindestens zwei Kollegen arbeiten, weil die extreme Konzentration regelmäßige Pausen erfordert.

Konferenzdolmetschen

Beim Dolmetschen für Konferenzen sitzt der Dolmetscher oft in einer Kabine, hört die sprechende Person über Kopfhörer und dolmetscht simultan über ein Mikrofon, was gesagt wurde. In der Regel können die Zuhörenden die Verdolmetschung ebenfalls über Kopfhörer hören. Auch Konsekutivdolmetschen kommt beim Konferenzdolmetschen vor, zum Beispiel bei festlichen Ansprachen oder bei der Eröffnung einer Veranstaltung. Somit sind beide Techniken (Simultan- und Konsekutivdolmetschen) unter einem Namen „Konferenzdolmetschen“ vereint.

Verhandlungsdolmetschen

Bei dieser Variante des Dolmetschens sitzt der Dolmetscher meist zusammen mit den verhandelnden Parteien an einem Tisch und dolmetscht in beide Sprachrichtungen, meistens konsekutiv.

Sprachkompetenz und fachliche Qualifikation

Sprachkenntnisse werden nach dem Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmen (GER) eingestuft. Das Niveau reicht von A1 (Grundverständigung) bis zu C2 (fehlerfreie Verständigung auf professionellem Niveau mit Fachsprache). Niveau C2 setzt in der Regel ein Studium bzw. langjährige internationale Berufserfahrung voraus. Innerhalb des Referenzrahmens ist berücksichtigt, dass mündliche und schriftliche Sprachkompetenz sowie Hörverstehen und Leseverstehen in Ausgangs- und Zielsprache auf unterschiedlichem Niveau liegen können.

Ein Dolmetscher kann mündlich Ihre Verhandlung perfekt zum Abschluss bringen, ist aber vielleicht schriftlich nicht in allen Arbeitssprachen perfekt in der Zeichensetzung. Umgekehrt liefern Übersetzer in der Regel ausgezeichnete Texte in der Zielsprache, aber die aktive Beherrschung der Ausgangssprache ist jenseits ihres Fachgebiets mitunter weniger gut. Wer am Telefon mit hörbarem Akzent spricht, kann für Ihren Auftrag trotzdem die richtige Person sein.

Achten Sie bei der Auftragsvergabe auf die individuelle Qualifikation, insbesondere Ausbildung, Berufserfahrung und einschlägige Fortbildung. Wenn eine Marketing-Übersetzerin Ihnen empfiehlt, für Ihre AGB oder andere Texte eine Kollegin mit juristischem Hintergrund hinzuzuziehen, kann das sehr sinnvoll sein – ein Unternehmen lässt seine AGB schließlich in der Regel auch nicht von der Marketing-Agentur schreiben, sondern beauftragt dafür eine Kanzlei. Umgekehrt wird der technische Fachübersetzer Ihnen in der Regel nicht den perfekten Marketingslogan für die nächste Kampagne liefern; dafür brauchen Sie eine Person, die sich auf Transcreation spezialisiert hat – die kreative Übertragung der Botschaft in die Zielkultur. Bei den Berufsverbänden finden Sie passende Spezialisten für Ihren Bedarf.